So

23

Jun

2019

Die "schalt dein Herz nicht" App

 

 

"Schalt dein Herz nicht App", das war der letzte Song in einem Stück, dass ich dieser Tage im Hamburger "Schmittchen" gesehen habe. "Amor läuft Amok" Liebe in Zeiten des Internets. Sehr zu empfehlen!

 

 

 

 

 

 

 

Laut einer gerade veröffentlichten Studie haben 38% schon einmal versucht ihren Smartphone-Konsum einzuschränken. Dass das digitale uns nicht immer gut tut scheint vielen Menschen also bewusst zu sein. Der Grund dafür liegt, so glaube ich, nicht einmal an den offenkundlien und nachgewiesenen Wirkungen. Dem tatsächlichen Zeitverlust für analoge, unmittelbare, spürbare Erfahrungen, oder der Schlafqualität, welche sich nach abendlicher Bildschirmzeit verschlechtert.

 

Als Körper- und Paartherappeutin stelle ich mir die Frage. Wie wirken sich die digitalen Medien auf unser Zusammensein aus? Und wie sollten wir damit umgehen um unsere Beziehungen gesund zu erhalten?

 

Ich glaube, die maßgebliche Wirkung, die wir zu bemängeln haben ist, dass mit der Nutzung von Handy, Tablet, Laptop und co. der direkte Kontakt mit den Menschen irritiert wird.

 

Jeder Mensch braucht Beziehungen, und in diesen Beziehungen ein gewisses Maß an Berührung, Intimität und auch Exklusivität. Das Tablet oder Smartphone im persönlichen Umfeld kann aber nun im intimsten Privatbereich, ganz plötzlich den Raum in die Öffentlichkeit erweitern. Plötzlich sind wir nicht mehr mit unserem Partner in einer Zweisamen Inneren Atmosphäre, sondern einer von uns beiden hat die Tür geöffnet für das Außen und die "ganze Welt" des Außens ist zugänglich. Wir müssen die Aufmerksamkeit teilen, wir werden aufgefordert nach "Außen" zu blicken, wir vergleichen uns, wir konfrontieren uns mit anderen Sichtweisen .... Wir werden in die Welt des Bewusstseins, die Welt der Erkenntnis gezogen, beißen quasi in den Apfel der Erkenntnis, verlieren aber in diesem Moment den Kontakt zu den unausgesprochenen unterbewussten Ebenen.

 

Ich bin ein Mensch der sehr viel Zeit mit dem "Innen", innerem Erleben, Berührung, unmittelbarem Kontakt und Zweisamkeit in der Beziehung braucht. Für mich hat dies beispielsweise dazu geführt, dass ich mit meinem Mann im letzten Jahr eine Auszeit genommen habe, bei der wir viel Zeit in unberührter Natur ohne Netz und an einsamen Orte in Zweisamkeit verbracht haben.

 

So drastische Schritte sind sicher nicht für jeden Menschen angebracht und schon gar nicht notwendig im Umgang mit den Medien. Was ich allerdings für notwendig halte ist es, sich in modernen Beziehungen  der Frage zu stellen: Wie kann der Medienkonsum so gestaltet werden, dass beide Bedürfnisse des Menschen Beachtung finden, die Öffnung in die Welt und die Vertiefung ins Innere.

 

Eines der Zentren im Körper, das in der Körpertherapie als Verbindende Kraft zwischen Bauch und Gehirn, also auch zwischen Geist und Körper, Außen und Innen... bekannt ist, ist das Herz.

 

Es gibt eine energetische Verbindung dieser 3 Bereiche und sie teilen eine Fähigkeit. Die der Wahrnehmung und der Weitergabe von Impulsen, Wissen, Weisheit. Sowohl im Gehirn, als auch im Bauch, und sogar im Herzen befinden sich Nervenzellen. Das Herz erzeugt seine Impulse selbst, das Nervensystem des Bauches schickt mehr Informationen an das Gehirn, als umgekehrt, und das Gehirn denkt und fühlt.

 

Nur eine starke Achse aus diesen drei Bereichen, schenkt uns die Fähigkeit nicht nur im Außen mit Informationen umzugehen, sondern sie im Inneren zu verarbeiten. Das Herz ist dabei die Verbindung.

 

Also ... schalt das Herz nicht app, sondern an!

 

 

Mi

20

Dez

2017

Verschwommene Sicht

 

 

 Das Leben ist wie eine Stickerei. In der ersten Hälfte siehst du die Vorderseite. In der zweiten die nicht ganz so schöne Rückseite. Aber dafür siehst du die Fäden, wie alles zusammenhängt und wie es gemacht ist.

 

Arthur Schopenhauer

Wie kommt es eigentlich, dass im Herbst die Sicht schlecht wird und wir die Welt nur noch wie durch einen Nebel betrachten können? Natürlich, werden Sie sagen, das Wetter wird diesig, die Luftfeuchtigkeit nimmt zu, Dunkelheit und trübes Wetter. Aber das DAO fragt ja immer nach den tieferen Sinn der Dinge.

 

 

 

Das Sehen ist im 5 Elemente System im Element Holz zugeordnet. Dem Frühling, wenn die Welt all die wunderbaren Dinge hervorbringt, die durch ihre Form und Farbe und ihr Grün, das Auge erfrischen. Der Herbst dagegen, der die sichtbare Welt immer kühler und karger werden lässt, ist wenig für das Auge ausgelegt. Die Wandlungsphase Metall, der der Herbst zugeordnet ist, bildet eine Art natürliches Gegenteil zum Frühling des Holz-Elementes. Statt üppiger frischgrüner Blättermeere zeigen die Bäume nur noch ihren dunklen, graubraunen Stamm und erdfarbene Blätter, die am Boden auf ihren Übergang in eine tiefere, dunklere Phase ihres Daseins warten. 

 

Die Vergänglichkeit ist nichts, was wir gerne sehen. Die Kosmetik- und Schönheits-Industrie profitiert mit über 16.000 Millionen Euro Marktvolumen pro Jahr davon. Menschen, die sich in der Lebensphase des Metall-Elementes, den Wechseljahren, befinden, ziehen sich entweder langsam zurück aus der Öffentlichkeit oder sie versuchen nach Außen das Bild der frischen Vorgängerphasen zu behalten. Vielleicht ist es sogar kein Wunder, dass ohnehin ab 50 die Sehstärke extrem nachlässt und wir somit auch unsere Altersgenossen nicht mehr so deutlich sehen. Dies jedenfalls ist der Anlass für mich, um über das Sehen und den Herbst nachzudenken.

 

Seit einiger Zeit laufe ich also durch die Welt und sehe nur noch unscharf. Die Anzeigetafel bei der Bahn oder andere Hinweisschilder sind für mich nicht mehr lesbar. Ich muss mich also mehr und mehr auf meine Erfahrung konzentrieren und einen inneren Kompass benutzen, um an meine Ziele zu gelangen. Das fällt mir, besonders bei gewohnten Wegen, nicht schwer. Und wenn der innere Zeitplan genügend Raum einräumt kann ich mich wunderbar bewegen. In gewisser Weise genieße ich sogar, dass ich die Welt ein wenig weicher wahrnehme. Ich habe ohnehin die Menschen nie verstanden, die in allen Details und Verwicklungen, alles was um sie herum passiert mitbekommen wollen.

 

 

Ich sehe das eher wie Schopenhauer und genieße die verschwommen wirkende Sicht, weil sie mir die wahre Tiefe…die innere Sicht…leichter macht.

Mi

21

Jun

2017

Denken ohne zu fühlen

 

 

 

 

"Ich bin ein alter Mann und ich habe viel Schreckliches erlebt, doch das meiste davon ist zum Glück nie eingetreten." 

 

 

 

Mark Twain

Ich selber erlebe es. Je mehr Geschwindigkeit mein Leben aufnimmt desto stärker wird es: Mein Nervensystem stellt sich auf reflexartiges Handeln und Denken, ich schmecke, rieche und lausche nicht mehr während ich handle. Anstatt mir die Zeit zu nehmen die Situation erst einmal in ihrer vollen Dauer, Qualität und Bedeutung wahrzunehmen, lasse ich meine gut geschulten Reflexe einfach übernehmen. Ich glaube, ich könne nur effektiv sein, wenn ich die Langsamkeit ausrotte und blitzschnell reagiere.

 

Aber was, wenn das, was ich erlebe, (noch) gar nicht eingetreten ist? Wenn das Fühlen der Situation mir ein vollkommen anderes Bild vermitteln würde. Dann wäre meine brillante geschulte, reflexartig schnelle und effiziente Reaktion zwar genau das, nur leider an der falschen Stelle.

 

Wie so oft plädiere ich also für das YIN. Also dafür, auch die verborgenen Seiten einer Situation wahrzunehmen. Die Sinne zu öffnen und nicht schon im Vorfeld mit einer Absicht zu verschließen. Der Absicht zum Beispiel Schreckliches zu vermeiden.

 

Ich werde oft gefragt, wie die Absichtslosigkeit im Shiatsu funktioniert. Die Absicht ist ein Phänomen des YANG. Sie ist auf ein Ziel ausgelegt und ein Ziel liegt meist im Außen. Bewertung und Schnelligkeit sind die Begleiterscheinungen. Um eine Absicht zu verfolgen erlauben wir selten, einen langsamen Gang der Dinge und schon gar nicht Zieloffenheit.

 

Das YIN, mit seiner Langsamkeit, dem diffusen, Fühlenden erscheint für das Erreichen einer Absicht völlig ungeeignet. „Geschehen lassen“ und „Annehmen“ stehen nicht auf unserer Liste der effektivsten Fähigkeiten. Aber genau darum geht es bei dem Handeln in Absichtslosigkeit: Ein Ziel zu erreichen, ohne den natürlichen Lauf der Dinge verändern zu wollen.

 

Haben Sie sich schon einmal, wie Mark Twain gefragt, wie oft Sie nur durch das Denken, Sie wüssten, wie eine Situation ist, deren natürlichen Veränderungsprozess behindert haben, bei dem sich diese Situation eventuell als völlig harmlos hätte herausstellen oder entwickeln können.

 

Das ist absichtsloses Shiatsu: Wenn wir unsere Absicht, Harmonie im Körper wieder herzustellen, nicht als Antreiber verstehen, der uns zu einer schnellen Lösung des Problems oder der Vermeidung der Störung drängt. So, dass wir „das Schreckliche“ bereits erleben, ohne auch nur die Ruhe aufgebracht zu haben, zu fühlen, wie und ob dieser Schrecken überhaupt schon eingetreten ist.

 

Ja das Shiatsu ist eine mutige Körpertherapie-Methode. Es traut sich, die nötige Zeit zu nehmen um in der Tiefe wahrzunehmen, wie die Situation wirklich ist. Shiatsu hilft dabei ehrlich in den gegenwärtigen Moment zu fühlen.

 

Aber doch nicht in DAS SCHRECKLICHE“ mögen Sie sagen.

Doch, auch in DAS SCHRECKLICHE.

 

Denn zum Einen, sollte man sich schon vergewissern, aus welchem Material ein Dämon nun besteht. Aus Luft oder fester Materie. Und zum Anderen weiß ich durch das Shiatsu um die Wandelbarkeit einer jeden Situation. Wie blöd wäre es denn in meiner Schockstarre zu verharren und das Schreckliche sich nicht verwandeln oder auflösen zu lassen? Statt dessen nehme ich doch lieber DAS GLÜCK des Wandels wahr, und dass viele meiner Befürchtungen gar nicht eintreten.

Mi

29

Apr

2015

Erschütterung verarbeiten ...

 

Nur wenige Stunden ist es her, dass ein starkes Erdbeben die Menschen in Nepal erschüttert, getötet, verletzt und in größes Leid gestürzt hat. Das Ausmaß der Verletzung ist überwältigend. Selbst für viele von uns, die wir weit entfernt davon erfahren. 

Das Herz blutet uns bei dem Anblick dessen, dass dieses, ohnehin von Armut herausgeforderte Volk, mit solcher Naturgewalt getroffen ist. Und das Herz blutet und verstummt, bei der Wahrnehmung, dass schon wieder einer der heiligen Orte erschüttert, das "Dach der Welt" gerüttelt, die Tempel und die Herzen der einfachen Menschen überwältigt sind. Menschen, Tempel und Natur, von der sich einige von uns Hilfestellung und Vorbild erhofft haben....Nun sind sie in Trümmern und wir sehen ihre eigene Hilfsbedürftigkeit.

Viele suchen in den asiatischen Philosophien oder der buddhistischen Religion, auf dem Mount Everest oder in den Tempeln des Weltkulturerbes nach Trost. Wir suchen Hilfestellung bei den "glücklichsten Menschen" die noch "wissen, wie man miteinander lebt“. Beispielsweise in Bhutan, östlich von Nepal. Glücksforscher Lahm Dorji berichtet, dass dort die glücklichsten Menschen leben. 

 

Manche, weniger esoterisch veranlagte Menschen suchen auch Halt und Trost in gut geordneten Lebenssituationen, sie ergreifen einen sicheren Beruf, und entscheiden sich für Partner, die erwiesenermaßen verlässlich sind. Der Glück suchende meint das Glück fände sich in einem sicheren Leben. 

 

Mache ich eine Reise wähle ich als Glück-Suchende vielleicht die Lufthansa anstatt eine No-Name Fluggesellschaft. Als Beruf wähle ich es vielleicht Pilotin zu werden, statt Sekretärin. 

 

Aber wie gehe ich damit um, dass das Leben auch mit dem besten Glücks-Marketing immer wieder Erschütterungen bereithält? Wie reagiere ich auf den Absturz eines Flugzeugs, mit 150 Menschen an Bord, wegen des Suizids eines Co-Piloten?

 

Finden wir nicht das wahre Glück vielmehr im Erkennen unserer aller Hilfsbedürftigkeit? Während des Aufbaus nach dem Erdbeben und im Verarbeiten, Vergeben und neues Vertrauen schaffen?

 

Anstatt Trost zu suchen in alten Traditionen oder modernen Organisationen sollten wir die Menschen wieder sehen, wie sie sind. ….Hilfsbedürftig!

 

Wir brauchen einander! Wir brauchen uns gegenseitig! Und wir brauchen eine Kommunikation über das, was in uns Hilfe benötigt! 

Unsere Piloten, wie auch jeder andere Arbeitnehmer, braucht Möglichkeiten seine Schwächen zu zeigen und wieder vertrauensvoll mit Kollegen und Freunden zu werden.

 

Das bedeutet Resilienz: Nach der Zerstörung der, inneren wie äußeren, Tempel einander zu helfen den Schutt zu entfernen, die Verletzten zu versorgen, und durch diese Aufräumarbeiten auch das eigene Herz wieder in Frieden zu bringen. So dass wir wieder vertrauen lernen, indem wir einander helfen.

 

 

Do

05

Feb

2015

Sich in die Tiefe des Yin einlassen...

 

Es ist gar nicht so einfach. Wieder einmal ist es Winter geworden und eine weitere Woche ohne viel Sonnenlicht verdunkelt die Tagesverfassung.

 

Diese, dem YIN zugeordnete Zeit, mit der größten Dunkelheit gilt in der daoistischen Philosophie als die Zeit der „Essenz“ und des "Potenzials". Eine Zeit, die dem "Wasser“ zugeordnet wird und angeblich beherbergt sie unsere Ursprungs-Kraft, eine sexuelle Energie, die den Ursprung allen Lebens beinhaltet. Ich würde diese Kraft mit Resilienz bezeichnen. Eine Qualität die uns die Regenerations- und Anpassungsfähigkeit schenkt um mit den Widrigkeiten und Herausforderungen des Lebens klar zu kommen und in gewisser Weise, mit den "Wassern des Lebens gewaschen, neu wieder hervorzutreten.

Vertrauen in die „im Verborgenen liegenden Kräfte“ eines Samenkorns zu entwickeln ist nicht so leicht, besonders während der Phase in der es unter der Schnee und Eisdecke in der Erde versteckt liegt. In den dunklen Wintertagen drängt sich uns eher die Sehnsucht nach dem Licht, dem Yang. Die Vorstellung, dass dieser stillen, dunklen Phase eine Kraft innewohnt, wirkt wie ein Versprechen, auf das man geduldig warten muss, bis endlich die aktivierende Explosion von Grün und eine Neu-Geburt im Frühling geschieht.

 

Aber was ist mit den Monaten der Schwangerschaft, in denen wir uns als Menschen im Medium des Wassers entwickelten? Was ist mit dieser Qualität des „Wasser-Elementes“, die das konzentrierte Potential im Weiblichen verbirgt? Warum ist unsere Beziehung zum Verborgenen, Dunklen, Unterbewussten, Sexuellen und Flüssigen so ambivalent?

 

Auf geradezu mystische Art verspricht uns das Potenzial der Wasser-Energie, die „Essenz“ etwas, dessen sich der moderne Mensch nicht mehr so sicher ist: Dass nämlich allein durch das Sein, durch „Still sein“, man könnte auch sagen durch „vertrauensvolle Gelassenheit“ das lebendige neu erschafft.

 

Es gibt einen Ausspruch, den der aktive moderne Mensch manchmal, so scheint es, vergessen hat: „dass nichts schneller wächst, wenn man daran zieht“. Wohl aber hat „Wasser“ noch jeder Pflanze geholfen zu wachsen.

Y         I          N

Kraft schöpfen im eigenen Potenzial

 

* Yin-Body Coaching

* Watsu®

* Yin Paarberatung

 

ANNETT MAY

 

Mobil: 0174-9179056

may@yin-shiatsu.de