Denken ohne zu fühlen

 

 

"Ich bin ein alter Mann und ich habe viel Schreckliches erlebt, doch das meiste davon ist zum Glück nie eingetreten." 

 

 

 

Mark Twain

 

 

 

Ich selber erlebe es. Je mehr Geschwindigkeit mein Leben aufnimmt desto stärker wird es: Mein Nervensystem stellt sich auf reflexartiges Handeln und Denken, ich schmecke, rieche und lausche nicht mehr während ich handle. Anstatt mir die Zeit zu nehmen die Situation erst einmal in ihrer vollen Dauer, Qualität und Bedeutung wahrzunehmen, lasse ich meine gut geschulten Reflexe einfach übernehmen. Ich glaube, ich könne nur effektiv sein, wenn ich die Langsamkeit ausrotte und blitzschnell reagiere.

 

Aber was, wenn das, was ich erlebe, (noch) gar nicht eingetreten ist? Wenn das Fühlen der Situation mir ein vollkommen anderes Bild vermitteln würde. Dann wäre meine brillante geschulte, reflexartig schnelle und effiziente Reaktion zwar genau das, nur leider an der falschen Stelle.

 

Wie so oft plädiere ich also für das YIN. Also dafür, auch die verborgenen Seiten einer Situation wahrzunehmen. Die Sinne zu öffnen und nicht schon im Vorfeld mit einer Absicht zu verschließen. Der Absicht zum Beispiel Schreckliches zu vermeiden.

 

Ich werde oft gefragt, wie die Absichtslosigkeit im Shiatsu funktioniert. Die Absicht ist ein Phänomen des YANG. Sie ist auf ein Ziel ausgelegt und ein Ziel liegt meist im Außen. Bewertung und Schnelligkeit sind die Begleiterscheinungen. Um eine Absicht zu verfolgen erlauben wir selten, einen langsamen Gang der Dinge und schon gar nicht Zieloffenheit.

 

Das YIN, mit seiner Langsamkeit, dem diffusen, Fühlenden erscheint für das Erreichen einer Absicht völlig ungeeignet. „Geschehen lassen“ und „Annehmen“ stehen nicht auf unserer Liste der effektivsten Fähigkeiten. Aber genau darum geht es bei dem Handeln in Absichtslosigkeit: Ein Ziel zu erreichen, ohne den natürlichen Lauf der Dinge verändern zu wollen.

 

Haben Sie sich schon einmal, wie Mark Twain gefragt, wie oft Sie nur durch das Denken, Sie wüssten, wie eine Situation ist, deren natürlichen Veränderungsprozess behindert haben, bei dem sich diese Situation eventuell als völlig harmlos hätte herausstellen oder entwickeln können.

 

Das ist absichtsloses Shiatsu: Wenn wir unsere Absicht, Harmonie im Körper wieder herzustellen, nicht als Antreiber verstehen, der uns zu einer schnellen Lösung des Problems oder der Vermeidung der Störung drängt. So, dass wir „das Schreckliche“ bereits erleben, ohne auch nur die Ruhe aufgebracht zu haben, zu fühlen, wie und ob dieser Schrecken überhaupt schon eingetreten ist.

 

Ja das Shiatsu ist eine mutige Körpertherapie-Methode. Es traut sich, die nötige Zeit zu nehmen um in der Tiefe wahrzunehmen, wie die Situation wirklich ist. Shiatsu hilft dabei ehrlich in den gegenwärtigen Moment zu fühlen.

 

Aber doch nicht in DAS SCHRECKLICHE“ mögen Sie sagen.

Doch, auch in DAS SCHRECKLICHE.

 

Denn zum Einen, sollte man sich schon vergewissern, aus welchem Material ein Dämon nun besteht. Aus Luft oder fester Materie. Und zum Anderen weiß ich durch das Shiatsu um die Wandelbarkeit einer jeden Situation. Wie blöd wäre es denn in meiner Schockstarre zu verharren und das Schreckliche sich nicht verwandeln oder auflösen zu lassen? Statt dessen nehme ich doch lieber DAS GLÜCK des Wandels wahr, und dass viele meiner Befürchtungen gar nicht eintreten.

 

Sie möchten wissen, wie sich das ihm Shiatsu anfühlt? Dann besuchen Sie meinen YIN-SHIATSU Kurs am 5.-7. September 2017!

Yin-Shiatsu

Shiatsu und Watsu

in Berlin

 

Annett May
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